Messkonzept · Falldauer · Wiederkehr · Kohorten · Prävention
Indikationsmix messen statt diskutieren: KPI-Set für Depression, Angst und Anpassung/Burnout
Ohne Messkonzept wird “Mental Health” zur Symbolpolitik. Der Indikationsmix erlaubt ein sauberes
KPI-Set: Depression über Dauer- und RTW-Kennzahlen, Angst über Kohorten-
und Inanspruchnahme-Dynamik, Anpassung/Burnout über Arbeitswelt-Trigger und Prozessmarker.
Ein KPI-Set funktioniert nur, wenn es zur Mechanik passt. Psychische Diagnosen sind nicht homogen.
Wer “Psyche gesamt” trackt, erkennt weder Präventionshebel noch Kostenpfade. Der Indikationsmix zwingt
zur Differenzierung und macht Steuerung möglich.
YMYL-Hinweis: System-/KPI-Analyse, keine medizinischen Empfehlungen.
Depression-KPI: Zeit, Rückkehr, Wiederkehr
Die folgenden Kennzahlen dienen als Zielgrößen; die Inhalte dieses Clusters zielen auf deren Verbesserung.
- Falldauer-Verteilung (Median + Langschwanz, nicht nur Durchschnitt).
- Langzeitquote (z. B. Anteil > 6 Wochen / > 12 Wochen).
- RTW-Erfolg (Rückkehr stabil nach 4/12 Wochen).
- Wiederkehrquote (erneute AU innerhalb 6/12 Monate).
- Team-Überlauf (Überstunden/Fluktuation im Umfeld von Langzeitfällen).
Depression ist der Lasttreiber über Dauer. Deshalb müssen Kennzahlen Zeit- und Rückkehrlogik abbilden.
Alles andere misst am Problem vorbei.
Angst-KPI: Kohorten, Nachfrage, Komorbidität
- Kohorten-Inzidenz/Prävalenz nach Alter/Geschlecht/Arbeitskontext.
- Inanspruchnahme (Beratung, Programme, Therapieanfragen, Drop-off).
- Symptom-Proxy im Betrieb: Konflikt-/Abstimmungsdichte, Vermeidungsverhalten (operativ).
- Komorbiditätsmarker (Schlafprobleme, somatische Beschwerden, Suchtpfade).
Angst ist dynamischer und kohortenabhängiger. Steuerung heißt hier: früh sehen, wo Nachfrage entsteht,
und Zugänge skalierbar machen.
Anpassung/Burnout-KPI: Arbeitsweltmarker
- Entgrenzungsmarker: Erreichbarkeit nach Feierabend, Meeting-Dichte, Kontextwechsel.
- Planbarkeitsmarker: kurzfristige Prioritätswechsel, Notfälle, fehlende Puffer.
- Führungsmarker: Zielklarheit, Eskalationswege, Übergaben/Stellvertretung.
- Präventions-Usage: Teilnahmequote, Abschlussquote, Wiederholungsnutzung.
Anpassung/Burnout ist der Sensor für Organisationsdesign. Wenn hier die Marker kippen,
folgt Langzeitlast später. Genau deshalb gehört das in HR/BGM-Dashboards.
Risikologik: Wie man Prioritäten setzt
Priorisierung funktioniert über eine einfache Matrix:
Last (Zeit/Kosten) × Dynamik (Zunahme/Kohorten) × Hebel (Beeinflussbarkeit).
Depression hat hohe Last, Angst oft hohe Dynamik, Anpassung/Burnout hohen Hebel. Wer alles gleich behandelt,
verteilt Budget gleichmäßig und erreicht nichts.
Pragmatische Regel
Depression stabilisieren (Dauer senken) + Angst früh abfangen (Kohorten)
+ Anpassung reduzieren (Arbeitswelt-Hebel).
Mindeststandard 2025: Was Systeme verbindlich brauchen
- Messbarkeit: Falldauer/Langzeit/Wiederkehr, kohortenbasiert.
- Zugang: klare Pfade (Beratung, Therapie, Programme), niedrige Hürden.
- RTW: definierter Wiedereinstieg statt Improvisation.
- Arbeitswelt: Erreichbarkeit/Meeting-Logik/Planbarkeit als Standard, nicht als Tipp.
Für Arbeitgeber, Kassen & Steuerungsverantwortliche
NORVIO ordnet den Indikationsmix in Kosten-, AU- und Steuerungslogiken ein
und unterstützt bei der Bewertung geeigneter externer Präventions-
und Versorgungspartner.