New Work · Erreichbarkeit · Produktivität
Schlaf in der Arbeitswelt: Erreichbarkeit, digitale Rhythmen und die stille Produktivitätslücke
Der Schlafmangel der Wissensarbeit entsteht selten im Schlafzimmer. Er entsteht in Kalendern, Meeting-Cadences,
Kommunikationskanälen und Erwartungshaltungen. New Work korrigiert Strukturen – aber nicht die Rhythmen.
Einordnung: Warum Arbeit den Schlaf verschiebt
Schlafmangel in der Arbeitswelt entsteht selten durch „klassische“ Insomnie, sondern durch taktische Verschiebungen:
zu spät ins Bett wegen Kommunikation, Deadlines oder Meeting-Vorbereitung, dafür früher aufstehen wegen
Pflichtterminen. Die Differenz zwischen biologischem und beruflichem Rhythmus erzeugt die stille Lücke: nicht krank,
aber müde. Im norvio-Datenbild ist das keine Wellness-Kategorie, sondern ein Produktivitätsproblem.
Kernfaktoren
- Erreichbarkeit: Slack/Teams/WhatsApp verschieben Aktivität in den Abend
- Kalenderlogik: Meetings blocken Tage, Arbeit verlagert sich in Randzeiten
- Homeoffice: Flexibilität → spätere Aktivierung → frühere Starts
- Präsentismus: Anwesend, aber kognitiv gedämpft
Erreichbarkeit, digitale Taktung und Rückstau-Arbeit
Wissensarbeit erzeugt eine paradoxe Ökonomie: Der Tag wird von Meetings konsumiert, die eigentliche Arbeit wird
in die Abendstunden verschoben. Diese Verlagerung verändert Einschlaflatenzen, erhöht mentale Aktivierung und
unterbricht das Herunterfahren. Die Folge sind kurze Schlafdauern und schlechtere Schlafqualität.
Die Kommunikationskette treibt zusätzlich: Slack, Teams, Mails, WhatsApp und Kalender-Notifications erzeugen
Mikro-Interrupts, die als kognitiver Overhang in die Nacht wandern. Klinisch ist das kein Insomniediagnosefall,
organisatorisch jedoch hoch effizient darin, Schlaf zu reduzieren.
„Silent Shift“
Die Verschiebung findet kaum sichtbar statt: nicht als Schichtarbeit, sondern als Kalenderlogik. Genau hier
verbergen sich die größten Produktivitätsverluste der Wissensarbeit.
Homeoffice & Remote: Flexibel, aber nicht zirkadian
Remote-Work hat die räumliche Entkopplung gebracht, aber keine zeitliche. Studien zeigen einen robusten
„Evening Drift“: Wissensarbeit wandert in den Abend, Kommunikation migriert in die Nacht. Gleichzeitig bleiben
frühe Starts unverhandelbar (Meetings, Kundentermine, interne Cadences). Die Differenz produziert Social
Jetlag – nicht durch Feiern, sondern durch Arbeit.
Evening Drift
+Abend
Remote > Präsenz
Remote erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Deep Work in die Abendstunden verlagert wird.
Morning Lock
Fix
Startzeiten unverändert
Arbeitsbeginn bleibt fix, trotz später Aktivierung – klassischer Social-Jetlag-Mechanismus.
Präsentismus
BGM-Relevant
Kognitiv > Physisch
Weniger krank, aber messbar ineffizienter. Die teuerste Form moderner Müdigkeit.
Volkswirtschaftliche und betriebliche Kosten
Die norvio-Perspektive: Es geht nicht um Müdigkeit als Befindlichkeit, sondern um Output. Große Kassenreports
(DAK, Barmer, TK, DGSM) zeigen steigende Schlafprobleme bei Erwerbstätigen. Parallel steigen Kosten durch
Fehlzeiten, Genesungszeiten und Präsentismus. Letzterer ist der unsichtbare Block: weniger krank, aber teurer.
Auf Makroebene schätzen Studien den Einfluss von Schlafmangel auf bis zu 1,6 % des BIP in Deutschland.
Produktivität ist hier nicht nur ökonomisch, sondern gesellschaftlich relevant.
Datenbasis: DAK, Barmer, TK, DGSM, internationale Daten zu Präsentismus & Produktivität
Welche Hebel Unternehmen haben – und warum Prävention effizienter ist
Wenn Schlafprobleme primär durch Organisation, Erreichbarkeit und Kalenderlogik entstehen, ist die
betriebliche Antwort nicht medizinisch, sondern strukturell: Arbeitsorganisation, Belastungssteuerung,
Rückstau-Management und evidenzbasierte Schlafprogramme (CBT-I) wirken besser als späte Behandlung.
Organisation
- Entzerrte Meeting-Cadences
- Deep-Work-Fenster
- Grenzen bei Erreichbarkeit
Gesundheit
- CBT-I als Goldstandard
- Schlafkompetenz
- BGM-Integration
System
- Präsentismus sichtbar machen
- Remote-Muster analysieren
- Risikogruppen identifizieren
Für HR, BGM & Geschäftsführung
Norvio verbindet Gesundheitsdaten und Arbeitsmuster und ermöglicht die Ableitung
struktureller und gesundheitlicher Stellschrauben – datenbasiert, skalierbar und ohne Wellness-Rhetorik.
Zum Studienbericht „Müdes Deutschland 2.0“
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