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Studierende · Mental Health · Medienrhythmen

Studierende & Schlaf: Social Jetlag, Mental Load und Leistungsfenster zwischen Prüfungen und Präsenzpflicht

Zwischen Semesterlogik, Medienrhythmen und Leistungsdruck entstehen Schlafprobleme, die selten pathologisch
sind, aber systemisch wirken: schlechtere Konzentration, mehr Stresssymptome, geringere Leistungsfähigkeit
und höhere Inanspruchnahme von Gesundheitsangeboten.

Studienbericht Nr. 1 – Müdes Deutschland 2.0
Stand: 2025 · Datenbasis: TK, DAK, Barmer, DGSM, Hochschulstudien, Sekundäranalysen

Rhythmuskonflikt statt „klassischer Insomnie“

In dieser Altersgruppe kollidiert die biologische Uhr mit sozialen Zeitfenstern. Studierende schlafen später,
müssen aber früher funktionieren: Vorlesungen, Prüfungen, Arbeit, Pendeln oder Praktikum. Dieser Konflikt
entspricht dem Muster des Social Jetlag: Die circadiane Phase driftet, die sozialen Anforderungen bleiben
fix. Gesundheitsreports der TK und DAK zeigen, dass Müdigkeit und Konzentrationsprobleme zu den am häufigsten
genannten Belastungsfaktoren im Studium gehören.

Pathologische Insomnie ist die Ausnahme. Das dominierende Muster ist Dysrhythmie plus mentale Aktivierung.
Das erklärt, warum Standardinterventionen wie Schlafhygienetipps nur begrenzt wirken: Das Problem ist nicht
„zu wenig Schlaf“, sondern „zu spät Schlaf“ und „zur falschen Zeit wach“.

Eckdaten

  • Social Jetlag als zentrales Muster
  • Peak in Prüfungsphasen
  • Konsequenz: Leistungsfenster statt Tagesrhythmus

Semester & Prüfungen als Taktgeber

Die Struktur des akademischen Kalenders erzeugt episodische Belastungen. Prüfungsphasen bündeln Deadlines,
Nachtlernen, Vorbereitung und Frühstarts. Diese Episoden tauchen in Gesundheitsdaten als Stressmarker auf:
Schlafprobleme, Kopfschmerzen, Erschöpfung, depressive Symptome und somatische Beschwerden. Studierende
berichten, dass Müdigkeit weniger chronisch, sondern zyklisch ist: intensives Lernen bis spät, kurze Schlafphase,
frühes Aufstehen, gefolgt von „Kompensationsschlaf“ nach Abgabe oder Prüfung.

Zwischen diesen Peaks entstehen strukturarme Phasen. Digitale Rhythmen dominieren, Termine fragmentieren den Tag,
und Schlaf verschiebt sich nach hinten. Genau diese Unregelmäßigkeit erschwert Regeneration und macht die Gruppe
anfällig für Social Jetlag. Für Hochschulen entsteht daraus ein systemrelevantes Feld: Leistungsfähigkeit hängt
nicht nur vom kognitiven Niveau, sondern von Regeneration ab.

Medienrhythmen & mentale Aktivierung

Plattformen pushen Nutzung in den Abend: Autoplay, Scroll-Loops, Chats, Hausarbeits-Feedback und
Social-Kommunikation. Dazu kommt ein kognitiver Layer: Zukunftsangst, Karrierefragen,
finanzielle Unsicherheit, Prüfungsdruck. Diese Kombination erzeugt mentale Aktivierung,
die physiologisch schlecht mit Schlaf kompatibel ist. Studierende berichten, dass sie „eigentlich müde“,
aber „nicht abschaltbar“ sind.

Für die Gesundheitsökonomie ist relevant, dass dieser Mechanismus keine Krankheit voraussetzt,
aber Leistungsfähigkeit messbar reduziert. Genau deshalb landen Studierende zunehmend in Programmen
zu Stressbewältigung, Achtsamkeit, CBT-I-Modulen oder digitaler Prävention.

Mental Load

Die wichtigste Variable ist nicht Bildschirmzeit, sondern mentale Aktivierung. Bildschirm ist Symptom,
Mental Load der Treiber.

Nutzungscluster: Schlaf als taktische Variable

Schlaf wird in dieser Kohorte taktisch genutzt, nicht passiv erlebt. Drei Cluster dominieren:

  1. „Reset vor Prüfung“: Schlafmittel, Supplements, Apps, Rituale.
  2. „Nachlernen + Frühstart“: Rhythmusverschiebung + Müdigkeitskompensation.
  3. „Auflösen von Stressschleifen“: Overthinking, Angstschub, drohende Überforderung.

OTC-Produkte (Melatonin, Antihistaminika) werden episodisch genutzt, digitale Tools häufiger dauerhaft.
Der Mechanismus ähnelt der Generation Z, ist aber stärker akademisch motiviert.
Für Krankenkassen ist das relevant, weil Interventionen nicht pharmakologisch,
sondern programmatisch funktionieren: CBT-I, Schlafkompetenz, Stressmodule.

Systemperspektive: Prävention & Programme wirken besser als Einzelinterventionen

Die Ursache ist nicht Sedierungsdefizit, sondern Synchronisationsdefizit.
Deshalb funktionieren Programme besser als Rezepte. Für Hochschulen, Kassen und Programme entsteht
ein skalierbares Feld: Module können digital ausgeliefert, semesterbezogen terminiert und
an Prüfungsrhythmen gekoppelt werden. Für die Versorgungslage ist das effizienter als
Einzelbehandlung, weil die Nachfrage episodisch und vorhersehbar ist.

Markt

  • Apps & Tracking
  • OTC episodisch
  • Supplementisierung

Gesundheit

  • CBT-I skalierbar
  • Rhythmus & Stress zentral
  • Programme > Intervention

Gesellschaft

  • Leistungsfenster episodisch
  • Mental Load als Treiber
  • Hochschulen als Interventionsraum

Für Kassen, Hochschulen & Programme

Norvio verknüpft Kassenreports, Hochschulstudien und Marktsegmente und zeigt,
wie Schlafprobleme in dieser Kohorte Leistungsfähigkeit, Gesundheit und Studienerfolg beeinflussen –
inklusive Ansatzpunkte für Prävention.

Verknüpfte NORVIO-Reports & Quellen

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